Mein erster Wettkampf seit Schulzeiten, nach Jahren, des Kletterns, Boulderns und Wanders zurück zum Laufsport, zum Trailrunning. Eine Disziplinen die vieles vereint was ich in den Bergen liebe. Die Grenzen verschwimmen lässt, die Regeln an die ich Jahre lang geglaubt habe, für die ich mich auch hier im Blog stark gemacht habe, bricht. Die uns aber plötzlich neue Dinge ermöglicht die wir nie für umsetzbar gehalten hätten.
Die Landschaft ist einmalig, wunderschön, der Trail schwerer wie erwartet, weniger laufbar. Das Schneefeld ging gut (aber das haben wir ja auch am Eisenerzer trainiert), die extrem schmalen, steilen Wiesenhänge sind schwierig, am Weg zur Staumauer gibt es immer wieder kleine Gegenanstiege und viele technische Bachquerungen.
Unsere Unterkunft Fesh Living war ein Traum!!!!
Harte Trainingsmonate liegen hinter uns, von 60km im Monat haben wir uns langsam auf 200km gesteigert, 4-5 Tage die Woche laufen, im Regen, im Schnee, bei 38°C zu Mittag über den Asphalt, meine Peak Week war 65km bei 3000hm. Den Trainingsplan hat Alex für uns aus dem Buch "Training for the Uphill Athlete: A Manual for Mountain Runners and Ski Mountaineers" zusammengestellt.
Jetzt stehen wir endlich hier am Start des GWT 35, mit über 600 Leuten, starten wir den ersten brutalen Anstieg nach oben. Schon nach kurzer Zeit sind alle Vorsätze im richtigen Pulsbereich zu sein gebrochen. Adrenalin, Stress, Steigungen von 40°-45° Grad, die ersten reißen ab, keine Chance zu überholen, wie in einer Kuhherde geht es Bergauf, Stecken and Stecken, Schulter an Schulter. Bei der ersten Engstelle wird es Chaotisch, 600 Leute müssen durch ein Kuhgatter, warum das große Tor verschlossen ist, hier kein Streckenposten steht, ein Rätsel aber so ist das halt beim Trailrunning.
Wieso es am Start bei 600 Athleten keine Dixiklos gab und die Schlange bei der Lifttoilette 45min lang war, und alle in den Wald gegangen sind, fragwürdig bei einem Nenngeld von 85-115€. So sollte das eher nicht sein bei einem so großen Trailrunning Event.
Kurz danach das erste große Problem der Puls steigt auf 190, Panik macht sich breit, was jetzt, warum ausgerechnet heute, soll ich umdrehen, soll ich aufhören, jetzt hätte ich noch die Chance einfach zum Start zurück zu Spazieren. Was genau passiert ist erspar ich euch. Ich habe viele Plätze verloren, Alex und Chris sind schon weit weg, das war es mit meinem Rennen, jetzt heißt es durchkommen und überleben.
Leider sind wir in der Startaufstellung schon viel zu weit hinten gestartet. Das Feld ist so bunt gemischt, mit extrem starken Läufern, damit hatten wir so nicht gerechnet, doch leider sind viele den technischen Ansprüchen nicht gewachsen, im Staustehend verliere ich noch mehr Zeit, einfache Steilstufen, sind für diverse Mitbewerber Kletterpassagen, während ich essend hinunter spaziere, klettern sie auf allen vieren herum. Ihr glaubt ich bin überheblich und mach mich über die Stadtläufer lustig, nönönö ganz sicher nicht, auf der Ebenen sind sie alle schneller wie ich,....plötzlich bin ich derjenige der mit einem 180 Puls abreisen lassen muss,....um kurz später bergab wieder aufzuschließen.
Ihr seht schon der Puls ist ein großes Thema, viele Trainingsansätze führen zum Ziel, wir haben ausschließlich mit Pulsbereichen aus dem Uphill Athlete Buch gearbeitet. Extrem große Umfänge in Zone 2 Trainiert, schnelle Einheiten sind leider zu kurz gekommen zu sehr haben sie Muskulatur und Erholung beeinflusst, auf alle fälle etwas woran wir fürs nächste mal Arbeiten müssen. Mehr Höhenmeter mehr Tempo/Threshhold/Hill Sprints.
Plötzlich stehen im steilsten Stück, Alex & Chris am Wegrand und warten auf mich. Die zwei heute nochmal zu sehen damit hatte ich nicht gerechnet. Ich hatte mein Rennen schon lange abgeschrieben, ich beschloss den restlichen Tag bei ihnen zu verbringen, sofern ich mithalten konnte.
Doch auch dieser Plan sollte nicht aufgehen, Bergab im schwersten Streckenabschnitt war Alex einfach weg, er konnte seine Stärken im schwersten, steilsten Blockgelände voll ausspielen. Chris blieb zurück um Fotos zu machen und holte mich dann wieder ein. Ich meinte nur er soll auf mich keine Rücksicht nehmen und ruhig zum Alex aufschließen.
Nun war ich wieder letzter und wieder alleine, Stress kam aber keiner mehr auf, ich konzentrierte mich auf einen sicheren, effizienten Laufstill, versuchte mich gut zu Verpflegen und genug zu Trinken.
Kurz vor der Verpflegungsstation entlang des Stausees, siehe da, ein müder und gezeichneter Alex. Ich versuche ihn zu motivieren und wir laufen gemeinsam in die Verpflegungsstation wo uns Chris schon erwartet.
Die Verpflegungsstellen waren ein wenig schwach bestückt, das Isogetränk viel zu stark verdünnt, der versprochen Kaffee wollte nicht rinnen, weit und breit keine Riegel keine Gels, aber ich sags euch MELONE+SALZ wird euer Leben retten.
Chris ist gerade in Topform und zieht davon, ich laufe mit Alex bis er plötzlich einen Einbruch hat, mir geht es in dem Moment aber gerade so gut das ich mich verabschiede und davon ziehe. Kurze Zeit später überhole ich Chris der nun plötzlich selber struggeld und wirklich hart Kämpfen muss.
"Alter woher hast deine Energie?" ruft er mir zu "Coffeingel+Ibu kicken gerade voll rein, cu later" kommen von mir als Antwort.
Die letzten Kilometer, durch den Wald, über Stock und Stein, sind ein Traum. Das war genau das was ich am meisten Trainieren konnte, ich fühlte mich gewaltig, Runners HIGH. Coole Überholmanöver und Vollgas durch den Wald (ich hätte so gerne ein Video davon, es war einfach zu geil). Vielleicht ein bisschen zu schnell wie sich später herausstellen sollte :)
So konnte ich mich vom Platz 363 auf Overall 234 nach vor Arbeiten, ich könnte hier jetzt auch Stolz 166er schreiben, aber jedes Mädel vor mir hat es sich mehr als nur verdient erwähnt zu werden, also wenn euch eure Racebuddys ihre Ergebnisse präsentieren fragts mal genauer nach ^^
Patrick 6h52min51sec - Alex 7h07min02sec - Chris 7h24min10sec
Was waren unsere Ziele? Wir haben viel darüber gesprochen ob wir zusammen laufen wollen, einfach nur einen geilen Tag haben und durchkommen. Aber Aufgrund der unterschiedlichen Höhen und Tiefen, Stärken und Schwächen, hätte das wohl nie richtig funktioniert und wir wären wohl auch noch langsamer gewesen.
Mein Traum wären sub 6h gewesen, Aufgrund der Coronainfektion im Winter, und fast 4 Wochen Verletzungspause in der Vorbereitung war das leider nicht zu erreichen. Es waren gar keine schlimmen Verletzungen, extrem verhärtete Schienbeinmuskulatur, welche mit einer einzigen Physiobehandlung gelöst waren, kosteten mir fast 3 Wochen.
Da wir eigentlich im Herbst von NULL angefangen haben, waren die 37km mit 1735 Höhenmetern schon ein sehr ambitioniertes Ziel, aber nicht zu unterschätzen und sehr schwer zu Trainieren sind 2440 Höhenmeter bergab. Das ist wirklich brutal für die Muskulatur. Trotz alledem konnte ich selbst zum Schluss KM26 & KM32 einen 6:30 Pace laufen und selbst mein letzter Kilometer war mit 7:18 noch ganz akzeptable.
Die brutale Hitze auf den letzten 5 km hat allen stark zugesetzt und auch ich hatte hier noch einmal einen Einbruch wo ich im Flachen einige Passagen gehen musste weil die Muskeln nicht mehr wollten. Hier kam allergings der Trailrunning-Spirit voll zur Geltung, vorbei Laufende fragten ob alles okay seih, wollten mit Riegeln und Dextro Energie aushelfen, mega freundlich.
Im allgemeinen muss auch festgehalten werden, das alle Teilnehmer = Ersthelfer sind, ich war selbst bei 3 Ereignissen (einen Stolperer, und zwei Abstürzen über die Geländekante) dabei, wo sofort alle zur Stelle waren dem Verunfallten zu bergen und zu helfen.
Durch dieses Miteinander ergeben sich auch auf den Trails immer wieder tolle Begegnungen mit tollen Menschen und sofern ein bisschen Luft zum Quatschen da war hat man sich auch ausgetauscht.
Natürlich gibt es wie überall Egoisten die einen nicht vorbei lassen obwohl sie viel langsamer unterwegs sind, um hier nochmal einzuwerfen was ich oben schon erwähnt habe. Nicht nur durch das unterschiedliche können sind Leute auf unterschiedlichen Streckenabschnitten unterschiedlich schnell. Nein auch weil man bei so langen Läufen immer wieder Einbrüche hat, so überholt und wird man oft überholt. Aber wieso sollte ich dort andere Läufer nicht sofort vorbeilassen?
Was interessant ist und ich mir früher nie verstellen konnte, ist dass die Muskulatur oder besser gesagt diverse Muskelgruppen, schon mal krampfen können aber wieder zurück kommen. Das kannte ich vom Fußball ganz anders, hatte ich dort mal einen Krampf war 3 Tage an laufen nicht mehr zu denken.
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